Leseprobe It’s sparkling

Hier findet ihr eine kleine, aber feine Leseprobe zu meinem Kurzgeschichtenband It’s sparkling. Die Leseprobe stammt aus der Kurzgeschichte mit dem Titel „Mein Physiotherapeut“. Weiter unten findet ihr die Leseprobe auch als PDF-Datei. Viel Spaß!

Mein Physiotherapeut

Ich liege mit dem Gesicht nach unten auf der Pritsche.

»Vorsicht, ich hab kalte Hände«, murmelt er über mir.

Ich gebe einen Laut von mir, der so viel wie »Kein Problem« bedeuten soll. Zu mehr bin ich gerade nicht fähig. Meine Arme hängen links und rechts herunter und ich merke, wie die Finger langsam schwer werden. Das Blut strömt in die Spitzen und sammelt sich dort. Wenn ich die gesamten dreißig Minuten der Physiotherapie so liegen bleibe, werde ich sie danach eine Weile nicht benutzen können.

Von links kommt er in mein Blickfeld: Tristan, mein Physiotherapeut. Er trägt weiße Latschen und schwarze Sneakersocken. Unter seiner dunkelgrauen Trainingshose kann ich einen Blick auf seine Knöchel erhaschen. Sanft schiebt er meine Haare von meinem nackten Rücken. Die Berührung schickt kleine Schauer durch meinen Körper. Tristans Fingerspitzen sind weich.

Er räuspert sich. »Ist es okay, wenn ich den BH öffne?«

»Klar«, antworte ich.

Vorsichtig öffnet er den Verschluss und schiebt die Träger über meine Schultern. Der süßliche Geruch des Massageöls liegt in der Luft. Tristans Hände gleiten über meine Haut und meine verspannten Muskeln jubeln. Seine Berührung ist sanft und gleichzeitig kraftvoll, verursacht ein angenehmes Prickeln unter meiner Haut und ein Ziehen in meinem Unterleib. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn er mich woanders berühren würde. Von mir aus gleich hier, mitten auf der Pritsche.

»Sag Bescheid, wenn ich dir wehtue.«

»Alles gut.« Ich schließe die Augen, um seine Berührungen zu genießen.

»Hi, Laura! Schön, dich zu sehen! Geh schon mal in die Zwei, ich komme sofort.« Ein Lächeln zaubert Grübchen auf Tristans Wangen, die braunen Locken hängen ihm wild in die Stirn. Sie sind bestimmt unfassbar weich, ich würde zu gern mal durchfahren.

Es ist mein zweiter Termin bei ihm und wieder kann ich nicht anders, als ihn anzustarren. Er wirkt ein wenig älter als ich und um seine Augen bilden sich bereits die ersten Lachfältchen. Sie lassen ihn irgendwie erfahren wirken. Sexy. Er trägt keinen Ehering. Oder liegt das nur daran, dass er ihn bei der Arbeit abnimmt?

In Gedanken versunken gehe ich in den Behandlungsraum und ziehe meine Jacke aus. Kaum drehe ich mich um, steht Tristan schon vor mir.

»Wie geht’s dem Rücken? Besser?«

Ich nicke. »Du hast magische Hände.« Hört er die Zweideutigkeit heraus? Ich ziehe in Erwägung zu zwinkern, lasse es dann aber.

»Ja, das höre ich öfter.« Er grinst und seine weißen Zähne heben sich von den dunklen Bartstoppeln ab. Ein Dreitagebart, wie er im Buche steht. Während ich mein T-Shirt über den Kopf ziehe, frage ich mich, ob der Bart wohl beim Küssen kratzt. Tristan stellt derweil die Pritsche für mich ein. Dann lege ich mich wieder bäuchlings hin.

»Ich mache den BH auf, okay?«, fragt Tristan.

»Ich kann ihn auch ausziehen, wenn’s das leichter macht«, biete ich an – nicht ganz ohne Hintergedanken.

»Äh, das musst du nicht.«

Mache ich ihn etwa nervös? Ich grinse, bleibe aber liegen. Der BH ist offen, Tristan holt Öl und legt los.

»Wenn ich dir wehtue, sagst du Bescheid, okay? Falls es zu fest ist oder so«, sagt er, während er schon die Flanken massiert.

Als könnte irgendeine seiner Berührungen zu fest sein. »Mach ich«, murmle ich, dann schließe ich die Augen. Ich genieße das Gefühl seiner Hände auf meinem nackten Rücken. Immer wieder streift er seitlich meinen Brustansatz. Es kostet mich viel Willenskraft, nicht aufzuseufzen. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt. Meinen Job, seinen Job, die aktuelle politische Lage, alles Mögliche. Auch über Musik und Serien.

Viel zu schnell ist die Sitzung vorbei. Tristan schließt sanft den BH und ich setze mich auf. Wie schon beim ersten Mal ist mir etwas schwindelig. Ich bleibe einen Moment sitzen und ziehe meine Unterwäsche zurecht. Dann stehe ich auf und ziehe mich an.

Zum Abschied gibt mir Tristan die Hand. »Bis nächste Woche.«

»Ich freue mich«, antworte ich.

Sein Händedruck ist fest, dennoch spüre ich die weiche Haut seiner Finger. Und ich bin mir nicht sicher, aber hat er mir kurz über den Handrücken gestreichelt?

Bei unserer dritten Physiotherapie-Sitzung habe ich den Fehler gemacht, High-Waist-Jeans anzuziehen. Sie gehen bis zur Taille und bedecken einen Teil meines Rückens.

»Ähm, Laura? Könntest du die Hose hinten etwas runterziehen? Sonst komme ich nicht an deine untere Rückenmuskulatur.«

»Sicher«, murmle ich. Ich öffne Knopf und Reißverschluss und ziehe die Hose etwas herunter.

»Danke, das reicht schon«, sagt er.

Nun ist gerade noch mein Hintern bedeckt. Ich nehme die Arme wieder nach vorn und Tristan bearbeitet weiter meinen Rücken. Ich muss schon sagen: Er macht seinen Job wirklich gut. Seit ich zu ihm gehe, habe ich wesentlich seltener Verspannungen. Ich kann mich wieder besser bewegen – was ich ihm gern beweisen würde. Während seine Hände sanft über meinen Rücken gleiten und genau die richtigen Stellen berühren, drifte ich in eine Fantasie ab, in der ich definitiv keine Hose mehr trage.

»So, wir sind fertig«, sagt Tristan in meine Gedanken hinein.

»Echt? Schon?« Ich muss ein paar Mal blinzeln, um wieder ins Hier und Jetzt zurückzukehren.

Er reagiert mit einem sanften Lachen. »Ja, tut mir leid.«

Ich höre Wasser rauschen und weiß, dass er sich die Hände wäscht. Vorsichtig richte ich mich auf und bewege den Kopf in einer kreisenden Bewegung. Dann richte ich meinen BH und stehe auf. Meine Hose rutscht herunter und entblößt ein Stück meines Hinterns. Schnell ziehe ich sie hoch. Meine Wangen werden heiß.

»Sorry«, murmle ich, schließe meine Hose und angle nach meinem T-Shirt.

»Macht doch nichts.« Bildete ich mir das ein, oder war Tristans Stimme rauer als sonst? »Bis zum nächsten Mal.« Kein Händeschütteln.

Als ich zur Tür gehe, werfe ich ihm noch einen Blick zu. Er steht neben dem Waschbecken, den Blick zu Boden gerichtet, und in seiner Hose zeichnet sich eine äußerst verdächtige Beule ab.

Ich grinse. »Bis zum nächsten Mal. Ich freu mich.«