Leseprobe #queer

Prolog

»Hallo Leute und herzlich willkommen z-« – »Moritz? Moritz, was machst du da?«, unterbrach ihn die Stimme seiner Mutter. Moritz seufzte. Es war ja zu erwarten gewesen, dass seine Mutter irgendwann mitbekam, dass er vermeintlich Selbstgespräche führte. Deshalb hatte er bislang meistens aufgenommen, wenn seine Eltern nicht zu Hause gewesen waren.

»Nix, Mama!«, antwortete Moritz nun wie automatisch und wollte gerade erneut ansetzen, da rief sie wieder. »Moritz, ich höre doch, dass du redest! Also?« Und schon stand sie in seinem Zimmer. Resigniert verdrehte er die Augen.

»Ich drehe ein Video«, erklärte er. Sie wirkte, wenn dies überhaupt möglich war, noch verwirrter. »Ein was?«

»Ein Video. Für’s Internet.«

»Ja, klar, wenn du‘s einfach wiederholst, versteh ich‘s gleich viel besser…«, erklärte sie halbernst.

»Ich drehe Videos und veröffentliche sie dann im Internet. Über Spiele, die ich zocke, und so«, führte Moritz näher aus. Sie nickte, obwohl sie offensichtlich noch immer keine Ahnung hatte, was er meinte. »Und warum macht man sowas?«

Typisch Eltern, schoss es Moritz durch den Kopf. »Weil ich Lust dazu habe. Außerdem gefallen sie meiner Community.«

»Community? Du meinst, das gucken Leute sich an?«, fragte sie skeptisch. Moritz nickte. »Jeden Tag«, bestätigte er, »Wenn‘s so weitergeht, kann ich damit sogar Geld verdienen!«

***

Grinsend dachte Moritz an das Gespräch mit seiner Mutter zurück. Das war jetzt fast fünf Jahre her. Viel war seitdem passiert, mittlerweile verdiente er sogar ganz gut nebenbei.

Die Inhalte, die er veröffentlichte, hatten sich ziemlich verändert und seine Eltern sahen sich sogar manchmal Videos von ihm an. Beides fiel unter die Kategorie „Dinge, die ich vor fünf Jahren nicht im Traum geglaubt hätte“.

Was sich in all den Jahren nicht verändert hatte, war die Tatsache, dass Moritz immer noch in seinem alten Kinderzimmer aufnahm, doch das störte ihn nicht. Seine Eltern hatten sich an den Nebenjob gewöhnt und er sparte so die Kosten für die Miete. Eine klassische Win-Win-Situation, wie er fand.

Moritz setzte seine Kopfhörer auf und startete den Messenger. Schon trudelte der Anruf seines neuen Kumpels ein. Lars schien regelrecht auf ihn gewartet zu haben. Sie hatten sich vor einigen Wochen über MyTube kennengelernt und auf Anhieb gut verstanden. Leider wohnte Lars rund 350 Kilometer entfernt, weshalb sie sich bisher nur via Skope gesehen hatten.

Na, endlich …, dachte Moritz, während er den Anruf annahm.